Dieser „Holländer“ hat viel durchgemacht.


Die seit 130 Jahren in Familienbesitz befindliche Karthäuser-Mühle in Telz
ist von den Eigentümern aufwendig und liebevoll restauriert worden.


Etwa fünf bis sechs Jahre hat Familie Ullrich mit der Restaurierung und Renovierung der Mühle verbracht.
Die neuen Flügel kamen im September 2011 auf die Haube.
Bilder von Gerlinde Irmscher


Mittenwalde/Telz. Das Innere der Karthäuser-Mühle in Telz lässt nicht darauf schließen, dass diese Erdholländerwindmühle bereits 240 Jahre alt ist. Die Eigentümerfamilie Ullrich hat viel Arbeit in die Renovierung gesteckt. „Ach, entweder man macht es gerne oder man lässt es gleich“, sagt Heike Ullrich, geborene Karthäuser. Die Umbauarbeiten waren eine Herzensangelegenheit, so Heike Ullrich. Schließlich will man den historischen Familienbesitz erhalten. Erbaut wurde die Karthäuser-Mühle im Jahr 1775, urkundlich erwähnt wurde sie jedoch erst 1830. Heike Ullrich kann sich nicht erklären, warum das so ist. Etwa um 1885 gelangte der „Holländer“ in den Besitz der Familie Karthäuser.

Ihr Urgroßvater, Herman Karthäuser, war damals auf Wanderschaft, wie alle Handwerksgesellen zu der Zeit. Er arbeitete beim damaligen Mühlenbesitzer unter der Bedingung, die Mühle irgendwann kaufen zu können, für 13 500 Gold-Taler. Die kommenden Generationen bewirtschafteten die Mühle weiter, jedoch nicht ohne gewisse Stolpersteine. Ihr Vater Karl-Herman, erzählt Heike Ullrich, begann eine Lehre zum Müller, musste diese allerdings in Berlin zu Ende führen, weil die DDR die Mehlproduktion untersagte. Auch die anschließende Arbeit als Bäcker durfte er in der DDR nicht lange verrichten. Denn die Belieferung kleinerer Geschäfte wurde ebenfalls untersagt. Die expandierende Landwirtschaft war da wie ein Segen. Die Bauern baten um die Herstellung von Futtermitteln. Doch diese Betriebe mussten sich mit der Wende neu aufstellen. Genauso Familie Ullrich. Um in ihrer Branche weiterhin bestehen zu können, schwenkte sie von Schweine- und Rinderfutter auf Kleintierfuttermittel um. „Die Geschichte der Mühle war ein Auf und Ab“, sagt Gerd Ullrich. Er absolvierte deshalb eine Lehre zum Elektromeister, blieb aber im Futtermittelgeschäft und belieferte kleine Reitställe. Mittlerweile wurde die Produktion der Zeit angepasst und modernisiert. Dort werden heute hochwertige Futtermittel mit modernen Maschinen auf schonende Weise erzeugt. Im Gedenken an die historische Produktion bekam Familie Ullrich einen alten Walzenstuhl eines befreundeten Thüringer Müllers. Vier der etwa 1920 erbauten Getreidemühlen standen seinerzeit auf dem ersten Mühlenboden, erzählt Gerd Ullrich. Demnächst soll der alte Walzenstuhl in den modernen Mühlenbetrieb eingebunden werden.

2010 begann Familie Ullrich, die Mühle zu renovieren, denn das Ende des 18. Jahrhunderts erbaute Objekt war schlichtweg marode. Die Renovierung war eine „emotionale Arbeit“, sagt Heike Ullrich. „Und es war schon viel Arbeit“, fügt Sohn Eric hinzu und klettert über eine schmale Leiter in die Kuppel. Braungraue Balken erinnern an das ehemalige Erscheinungsbild. Die massiven Stämme aus Eiche sind noch die Originalbalken. Die restliche Kuppel erstrahlt in hellen Holztönen. Die Kuppel, erzählt Eric, fiel schlicht in sich zusammen, als sie zur Restauration auf dem Boden abgesetzt wurde, ein Neubau war unumgänglich. Von den alten Balken, die fast alle ausgetauscht werden mussten, ließen sich die Ullrichs genauso wenig abhalten wie von einem Feuer. Während der Renovierungsarbeiten fing vermutlich eine Lampe Feuer und brannte ein Loch in die Kuppel. Die Eigentümer machten das Beste aus der Misere: „Da ist nun ein Fenster drin“, sagt Oma Bärbel Karthäuser mit einem Lachen. Vor fast genau fünf Jahren, am 21. September 2011, war die Mühle wieder als solche zu erkennen: die Flügel wurden in 16 Metern Höhe montiert. Weil die Flügel jedoch nur noch zur Zierde dienen, wurden sie zwei Meter kürzer gebaut. Acht Meter lang sind die Flügel nun. „Damit die Windlast nicht zu groß ist”, erklärt Gerd Ullrich. Auch an der Außenfassade wurde fleißig gewerkelt. Die Wände wurden von den Ullrichs teilweise mit alten Steinen ausgebessert. In einer kleinen Vertiefung unter dem Mühlenboden fanden sie altes Mauermaterial einer heute nicht mehr existenten Brennerei aus Rathenow. Das darauf abgebildete Brandzeichen ist immer noch gut zu erkennen. Mittlerweile ist der „Holländer“ bis auf ein paar Verschönerungsarbeiten unter der Mühlenhaube wunderbar restauriert.

Für die Besucher ist es kaum noch vorstellbar, wie alt dieser Kollos bereits ist. Wie der Bau in dem Mittenwalder Ortsteil Telz ursprünglich aussah, können Besucher beim Deutschen Mühlentag zu Pfingsten sehen. Dann stellt Familie Ullrich ein etwa zwei Meter großes Modell auf den Hof, das ein Müller im Maßstab 1:8 anfertigte. „Hinter einem Corpus aus Plexiglas ist alles originaltreu zu betrachten“, erzählt Heike Ullrich und ihre Augen strahlen. „Sogar die Mahlsteine und andere Gerätschaften sind zu sehen. Es ist alles nachgebaut worden“, sagt sie. Die Maschinen verschwanden mit der Zeit aus der richtigen Mühle. Lediglich die antiken Mahlsteine existieren noch: als Dekoration im Blumenbeet hinter der Karthäuser Mühle.

Von Lisa Neumann
Bilder von Gerlinde Irmscher
MAZ Anzeige vom 25.10.2016

 

Ein altes Bild im Eingangsbereich zeigt den „Holländer“ in seiner frühesten Zeit. Datiert ist es auf die erste urkundliche Erwähnung. Mehrere Generationen: Eric Ullrich, Oma Bärbel Karthäuser, Heike Ullrich, geb. Karthäuser, und Gerd Ullrich (v.li.) Heute steht die Mühle mitten auf dem Grundstück der Familie Ullrich. Zwischen Wohnhaus, Lager und Produktionsstätte.