Fünf Generationen Müller in Telz


Seit dem Jahr 1885 befindet sich die Karthäuser Mühle in Telz im Familienbesitz. Am Mühlentag öffnete sie ihre Türen für alle Interessierten. Zu sehen gab es ein modernes Mischfutterwerk, das noch immer auch auf Handarbeit setzt.


Eric und Sabrina Ullrich führen in fünfter Generation die Karthäuser Mühle. Sie öffneten am Mühlentag ihre Türen.
Quelle: Jonas Nayda


Telz. Die alte Mühle aus Holz mit ihren acht Meter langen weißen Flügeln ist ein echter Hingucker. Aber viel vom alten Müllerhandwerk ist nicht mehr übrig geblieben in der Karthäuser Mühle im Mittenwalder Ortsteil Telz. Beim Mühlenfest, das am Pfingstmontag gefeiert wurde, wurden die Besucher durch das moderne Mischfutterwerk geführt, das heute unter anderem sieben verschiedene Arten von Pferdefutter herstellt. Inhaber Eric Ullrich gab Einblicke in den Betrieb, in dem bis heute Handarbeit eine entscheidende Rolle spielt.

Inhaber in fünfter Generation
„Das Handwerk ist nicht mehr so romantisch, wie manche es sich vielleicht vorstellen“, erzählt Eric Ullrich. Er ist Inhaber der Kartenhäuser Mühle in fünfter Generation. Den modernen Betrieb ergänzt heute ein großes Fachgeschäft für Tiernahrung und Reitzubehör, der Vertrieb des Tierfutters nach ganz Deutschland wird mit eigenem Fuhrpark organisiert. Das gab es früher alles nicht. Im Jahr 1836 wurde die 18 Meter hohe holländische Bockwindmühle erbaut und befindet sich seit 1885 im Familienbesitz.

Eric Ullrich ist stolz, dass sein Familienunternehmen auch während der DDR-Zeit nicht enteignet wurde. „Wir fühlen uns der Tradition verbunden“, sagt er. Gemeinsam mit seiner Frau Sabrina und ihren zwei kleinen Töchtern leben sie auf dem großen Hof. Bei der Führung der Besucher über das Gelände wuselt eine seiner Töchter um ihn herum: „Das ist bereits die sechste Generation hier in der Mühle“, sagt Eric Ullrich lachend. Auch die Eltern und Großeltern wohnen dort und helfen bei der täglichen Arbeit. Ein echtes Familienunternehmen eben.

Handarbeit bis heute
Bis in die 1960er Jahre wurde in der Mühle Mehl produziert, dann wurde auf ausschließlich Futtermittel umgestellt. Bis heute werden die fertigen Säcke in Handarbeit zugenäht und noch direkt auf dem Hof verkauft.

Im dreistöckigen Hauptgebäude direkt neben der alten Holzmühle werden die Körner für die unterschiedlichen Futtermischungen gepresst und gereinigt. Die Silos bieten Lagerplatz für rund 300 Tonnen. Doch lange hält dieser Vorrat nicht: Wenn alle Maschinen auf Hochtouren arbeiten, könnte die Mühle jede Minute eine Tonne Pferdefutter ausspucken. Aber seit einigen Jahren wird in der Karthäuser Mühle nicht mehr in solchen Mengen produziert. „So viel könnten wir gar nicht verkaufen“, sagt Eric Ullrich.

Am Mühlentag strömten die Besucher jedoch in Massen über den Hof. Im Turm der alten Mühle, die vor einigen Jahren liebevoll restauriert wurde, befindet sich heute eine kleine Bar.

Von Jonas Nayda
MAZ Anzeige vom 24.05.2018